Brandschutz im Club: So läuft eine Kontrolle ab
Eine Kontrolle schafft Klarheit – ersetzt aber nicht die Verantwortung der Betreibenden. Am Beispiel des Berner Clubs Sous Soul zeigt sich, wie eine Brandschutzkontrolle der GVB abläuft und warum Brandschutz uns alle angeht.
Im Kanton Bern werden Clubs und Nachtlokale alle fünf bis zehn Jahre hinsichtlich der Einhaltung der Brandschutzvorschriften überprüft.
Mit den Kontrollen ist die Gebäudeversicherung Bern beauftragt worden.
Eine Kontrolle ist nur eine Momentaufnahme. Zentral ist das Verständnis der Betreibenden für den Brandschutz und die eigene Verantwortung.
«Seit dem Ereignis in Crans-Montana werden wir vermehrt angefragt, ob wir wegen einer Brandschutzkontrolle vorbeikommen können. Das Bewusstsein ist seit dem Ereignis enorm.» «Das kann ich mir vorstellen, auch bei uns hat zum Beispiel das Barpersonal aktiv nach einer Brandschulung gefragt.» Es sind Worte, die zwischen GVB-Brandschutzexperte Marcel Hügel und dem Betriebsleiter des Berner Clubs Sous Soul fallen – kurz bevor am Freitag, 6. Februar 2026, die turnusmässige Brandschutzkontrolle beginnt.
Kronleuchter aus Glas, schönes, altes Mobiliar, goldene Kunstobjekte und Neonlichter: Das im April 2025 eröffnete Eventlokal an der Spitalgasse 4 ist über Treppen erreichbar und befindet sich im dritten Untergeschoss. «330 Menschen dürfen wir aktuell hineinlassen – manchmal wären wir froh, wenn es mehr sein dürften», sagt Remo Gygax und lacht dabei leicht verlegen.
Remo Gygax ist Betriebsleiter des Clubs Sous Soul und fragt Marcel Hügel, ob er noch einen Kaffee möchte. «Im Moment nicht, danke», sagt der gross gewachsene Mann und erklärt, wie die Kontrolle abläuft: «Ich suche nicht auf Biegen oder Brechen Vergehen, ich will vor allem Verständnis für den Brandschutz schärfen», führt der 57-Jährige aus.
Bewusstsein sei entscheidend, denn eine Brandschutzkontrolle stelle nur eine Momentaufnahme dar. «Am Morgen kann alles stimmen, und am Abend desselben Tages kommt es trotzdem zum Ereignis. Ein Restrisiko bleibt», so Hügel. Dekorationen könne man etwa für eine Kontrolle wegräumen und danach wieder aufhängen. Sicherheit entstehe nicht durch einen Termin, sondern durch gelebte Verantwortung.
«Wenn ich später hier aus dem Club laufe, seht ihr mich für fünf bis zehn Jahre nicht mehr. Also geht es mir nicht nur darum, was ich heute sehe, sondern wie fest ihr langfristig an den Brandschutz denkt.»
Die Gebäudeversicherung Bern ist verantwortlich für das Umsetzen des vorbeugenden Brandschutzes im Kanton Bern in öffentlich stark frequentierten Gebäuden wie Spitälern, Altersheimen, Einkaufszentren, Hotels – oder Clubs.
Zum einen wird die GVB bei Baubewilligungsverfahren beigezogen. Ihre Brandschutzexpert:innen prüfen die Baugesuche auf das Einhalten der Brandschutzvorschriften und erstellen einen Fachbericht zuhanden der Leitbehörde.
Zum anderen überprüft die GVB in regelmässigen Abständen das Einhalten der Brandschutzvorschriften. 2025 führten die Brandschutzexpert:innen der GVB über 1’000 Kontrollen durch. Während einer Kontrolle schauen sich die Brandschutzexpert:innen Folgendes an:
• Signalisation und Breite von Fluchtwegen
• Wartungsnachweise von Löschmitteln
• Zertifikate zur Brennbarkeit verbauter Materialien
• Brandfallorganisation
Die Ergebnisse werden dokumentiert. Werden Mängel festgestellt, müssen diese innert vorgegebener Fristen behoben und gegenüber der GVB bestätigt werden. Bei schwerwiegenden Mängeln erfolgt eine Nachkontrolle. Wird eine Umsetzung verweigert, kann die GVB den Fall dem zuständigen Regierungsstatthalteramt melden.
Der erste Blick gilt den Fluchtwegen
Die beiden Männer steuern als Erstes einen Notausgang direkt neben dem Haupteingang an. Der GVB-Experte kontrolliert, wie zugänglich der Fluchtweg ist und ob das Fluchtwegsignet leuchtet. «Bereits als ich hereinkam, ist mir aufgefallen, dass die Fluchtwege genau so gekennzeichnet sind, wie sie müssen. Das ist schon mal ein guter Start», sagt Hügel, der bereits seit 13 Jahren in dieser Funktion arbeitet.
Für den Club im ehemaligen Theater am Käfigturm ist es die erste ordentliche Kontrolle nach der Eröffnung. Trotzdem ist Gygax nicht nervös: «Marcel Hügel war bereits beim Bewilligungsverfahren für uns zuständig. Es ist sehr angenehm, mit ihm zusammenzuarbeiten. Ausserdem haben wir alles so umgesetzt, wie wir es damals besprochen haben.» Bei der Tür ist ein Feuerlöschschlauch in die Wand eingelassen – ein rotes F weist auf die Installation hin. Der Kasten sei gut gekennzeichnet, lobt Hügel und fragt: «Wird er regelmässig gewartet?» Gygax bejaht. «Dann notiert doch bitte das Datum der Kontrolle hier am Gerät», sagt Hügel und zeigt auf eine geeignete Stelle.
Den Blick fürs Wesentliche
Als Nächstes geht es über die Bühne in den Backstagebereich, also den hinteren Teil des Clubs, zu dem Besuchende meistens keinen Zutritt haben. Ersatzleuchtmittel, Erinnerungsfotos, Strassenschilder – an den Wänden kann man sich kaum sattsehen. Hügels Blick bleibt jedoch fokussiert, er greift zum Handfeuerlöscher und inspiziert diesen. «Ich kontrolliere immer das Revisionsdatum, also wann der Feuerlöscher zuletzt gewartet wurde», sagt der Experte und stellt zufrieden fest, dass alles in Ordnung ist.
Es geht weiter in den Artists-Bereich. Remo Gygax nutzt die Gelegenheit, um dort aktiv eine Unklarheit anzusprechen: «Dieser Bereich hat einen eigenen Notausgang. Ist der auch für Clubgäste gedacht? In dem Fall wäre es hier mit den Möbeln zu voll, oder?» Hügel lobt die Weitsicht des Clubbetreibers und fügt an: «Nein, diese Tür ist kein offizieller Notausgang für die Clubgäste. Das ist ein zusätzlicher Notausgang, den zum Beispiel Personal oder Künstler nutzen könnten.» Das Gesetz schreibe immer eine Mindestanforderung vor, die werde hier übertroffen. «Darum braucht ihr keine Möbel zu verrücken.» Gygax zeigt sich erleichtert. Marcel Hügel vermerkt, dass diese Fluchtwegtür nicht mit einem Schlüssel geschlossen werden kann und daher von innen immer nach draussen führt.
Luxuriöse Fluchtwegsituation
Zum Schluss geht es über ein Treppenhaus ins zweite Untergeschoss, wo das Fumoir des Clubs liegt: eine eigene Bar aus Glasbausteinen und ein kleiner Dancefloor in White-Cube-Optik. Weil hier geraucht werden darf, ist eine grosszügige Lüftung verbaut – die Sprinkleranlage läuft prominent durch den Raum. Der GVB-Fachmann betrachtet den Raum als eigenen Brandabschnitt und stellt einige Fragen. «Auch hier: alles in Ordnung», schliesst er, nachdem er den Handfeuerlöscher unter die Lupe genommen hat.
20 Minuten nach Beginn des Rundgangs kehren Hügel und Gygax ins Hauptlokal zurück. Die Kontrolle verlief zügig – nicht weil sie oberflächlich war, sondern weil alles stimmte. Hügel resümiert: «Ich habe nichts auszusetzen, der Brandschutz entspricht den Vorgaben.» Gygax lächelt. «Euer Lokal ist in der luxuriösen Situation, dass es über besonders breite Fluchtwege verfügt. Falls ihr bei der Gewerbepolizei den Antrag einreicht, die Besucheranzahl zu erhöhen, spricht aus unserer Sicht nichts dagegen.» Gygax beginnt zu strahlen.
1. Wo befinden sich Notausgänge? Schauen Sie sich nach den grünen Schildern um. Der sicherste Weg ist dabei nicht immer der direkteste.
2. Entdecken Sie Rauch oder Flammen, machen Sie andere auf die Gefahr aufmerksam, und verlassen Sie die Gefahrenzone so schnell wie möglich über den beschilderten Fluchtweg.
3. Alarmieren Sie die Feuerwehr, sobald Sie ausserhalb der Gefahrenzone sind (Notrufnummer 118).